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Legale Putzkräfte für Privathaushalte

Expandierende Putzfrauenagentur in Kindhausen

Zuerst hat Adrian Gsell für seinen privaten Haushalt unter Einhaltung aller Vorschriften eine Putzkraft angestellt, dann ist er arbeitslos geworden und hat selbst geputzt. Diese Erfahrungen, kombiniert mit einer Marketingausbildung, haben zur Gründung der Putzfrauenagentur geführt. Das Unternehmen expandiert derzeit landesweit.

 

Adrian Gesell hat es gerne sauber. In seiner Wohnung in Kindhausen (einem Ortsteil von Volketswil), in der in einem Zimmer auch das Büro der Putzfrauenagentur GmbH untergebracht ist, lässt sich nur mit grösster Mühe ein Stäubchen oder ein Katzenhaar finden. Diesen Sauberkeits- Standard pflegt der 37-Jährige nicht erst seit der Firmengründung, die auf das Jahr 2003 datiert. Schon Jahre zuvor hatten der damalige Kundenbetreuer und seine ebenfalls berufstätige Lebenspartnerin beschlossen, die spärliche Freizeit nicht mit Putzen im Haushalt zu verbringen, sondern eine Putzkraft anzustellen - und zwar legal, mit allen nötigen Anmeldungen und Versicherungen.

 

Vom Arbeitslosen zum Arbeitgeber
Neben seiner Berufstätigkeit absolvierte Adrian Gsell eine dreijährige Marketingausbildung, die er mit dem Titel eines Verkaufsleiters abschloss. Doch trotz dieser zusätzlichen Qualifikation verlor er 2001 seine Anstellung. Gsell nutzte die Zeit der Arbeitslosigkeit dazu, um erstens zu Hause selbst zu putzen und um zweitens ein Konzept auszuarbeiten, das ihm seit längerem im Kopf herumschwirrte: die Gründung einer Reinigungsfirma, die auf Privathaushalte spezialisiert ist.

Den Schritt in die Selbständigkeit und ins Unternehmertum wagte Gsell jedoch erst, nachdem er keine neue, passende Anstellung gefunden und parallel zur Jobsuche Marktforschung betrieben hatte. Er ging unter anderem in seinem Wohnquartier von Tür zu Tür und fragte nach, ob man allenfalls an einer professionell vermittelten, legalen Putzkraft interessiert sei. Das Interesse war sehr gross. Also verkaufte Gesell sein Auto und sein Motorrad, verzichtete auf Einzahlungen in die dritte Säule, vereinbarte mit seiner Freundin, dass diese vorübergehend die gesamte Wohnungsmiete berappen würde - und gründete am 1. September 2003 in Kindhausen eine Einzelfirma mit dem Namen Putzfrauenagentur. Die Geschäftstätigkeit begann mit dreissig Kunden und fünf Mitarbeiterinnen. Bereits nach den ersten paar Monaten war die Nachfrage derart gross, dass Gsell die Firma ein erstes Mal neu organisierte und in eine GmbH umwandelte; sein Vater wurde zweiter Gesellschafter.

Eine weitere, grundlegende Reorganisation fand diesen Frühling statt. Sie hatte wiederum mit dem rapiden Wachstum des Unternehmens zu tun. Anfang dieses Jahres betreute Adrian Gsell fünfzig Putzkräfte und zweihundert Privathaushalte. Die Nachfragen nahmen weiterhin zu und beschränkten sich auch nicht auf den Kanton Zürich. «Eine persönliche Betreuung der Kunden und ein enges Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen waren mit dieser Grösse nicht mehr möglich», sagt Gsell. Der Jungunternehmer entschied sich, mit dem Franchising-System weiter zu wachsen. Im Kanton Zürich und in den beiden Basel ist das Konzept bereits umgesetzt, Verhandlungen laufen ausserdem in den Kantonen Zug und Luzern, Anfragen gibt es aus St. Gallen. Franchising funktioniert so, dass Franchising-Nehmer eigene Unternehmen gründen, die nach engen Vorgaben des Franchising-Gebers ausgestaltet werden müssen. Berühmtestes Beispiel dafür ist McDonald's. Adrian Gsell gibt sein Know-how, sein Konzept, den Namen und die Betriebsorganisation an neue Unternehmer weiter, schult und berät sie und bezieht dafür eine Provision, die vom Gewinn der jeweiligen Putzfrauenagentur abhängig ist.

 

Mitarbeiterinnen mit Respekt behandeln
Der Unternehmensgründer aus Kindhausen betont, er wolle etwas gegen die in der Reinigungsbranche grassierende Schwarzarbeit tun und lege grossen Wert darauf, seinen Mitarbeiterinnen faire Anstellungsbedingungen zu bieten. «Wenn ich von Putzfrauen vernehme, sie seien von meinen Kunden nicht anständig behandelt worden, löse ich den Vertrag mit dem betroffenen Haushalt auf.» Putzmänner hat Gsell anfänglich versuchsweise angestellt, dies sei jedoch bei der Kundschaft nicht gut angekommen, weshalb er heute ausschliesslich Frauen beschäftige. Unter den Mitarbeiterinnen finden sich Studentinnen, Hausfrauen oder Pensionierte. Die meisten haben ein Pensum von vierzig bis fünfzig Prozent, sie werden im Stundenlohn bezahlt, und viele der neuen Angestellten kommen aufgrund von Empfehlungen bisheriger Mitarbeiterinnen. In der Putzfrauenagentur kann man auch Karriere machen: Zwei der neuen Franchising-Partnerinnen von Adrian Gsell haben früher für die Agentur geputzt und sind nun ebenfalls Unternehmerinnen und Arbeitgeberinnen geworden.

Im vergangenen Jahr wurden allein in der Region Zürich über 6300 Unternehmen neu ins Handelsregister eingetragen. In einer Artikelserie porträtiert die NZZ Jungunternehmen aus verschiedenen Branchen und beleuchtet die wirtschaftlichen und politischen Hintergründe der Firmengründungen.

 

Bericht: Brigitte Hürlimann

 

pdf nzz 09.11.2005 734.83 Kb

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