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Der Ausdruck Putzfrau ist nicht despektierlich

Die Putzfrauenagentur ist als Pionierin neu auch am Obersee tätig

Schwarzarbeit von Putzfrauen in Privathaushalten – ein Kavaliersdelikt ist dies definitiv nicht mehr. Adrian Gsell hat dies mit seiner Putzfrauenagentur schon vor fünf Jahren erkannt. Seit diesem Jahr ist die Pionierin mit Niederlassungsleiterin Petra Pasche auch am Obersee tätig.

 

«Reinigungsfachfrau» oder «Raumpflegerinnen» werden sie genannt, und bestimmt gibts gar einen noch weltfremderen englischen Fachausdruck. Nicht bei Adrian Gsell, dem 39-jährigen Unternehmer: «Der Ausdruck Putzfrau ist für uns nicht despektierlich! Putzen ist und bleibt eine ehrliche Arbeit, aber auch ein Knochenjob. Und gerade im privaten Bereich arbeiten die meisten Frauen noch immer schwarz. Die aktuelle Kampagne von Bundesrätin Doris Leuthard und ihrem Eidg. Volkswirtschaftsdepartement EVD hat ein zünftiges Problem ans Licht gezerrt. «Schwarzarbeit von Putzfrauen in privaten Haushalten ist nun definitiv kein Kavaliersdelikt mehr», macht Gsell klar. Einen ganzen Rattenschwanz von finanziellen Konsequenzen müsse in Kauf nehmen, wer von Detektiven des Bundesamtes erwischt werde.

 

Mehrwert für alle
Genau an diesem Punkt standen Adrian Gsell und seine Freundin vor über fünf Jahren auch. Der Key Account Manager im Bereich Informatik/Marketing suchte eine Putzfrau für die private Wohnung, wollte dabei aber niemanden schwarz anstellen. «Damals hätte ich mir gewünscht, es gäbe ein solches Institut.» Mit diesem Institut meint er die Putzfrauenagentur GmbH, die er in minutiöser Arbeit gleich selber auf die Beine stellte – und auf die er sich in der Folge zu hundert Prozent konzentrierte. Inzwischen ist seine Putzfrauenagentur zu einer Firma mit 600 Putzfrauen auf 300 Stellenprozenten in 14 Niederlassungen angewachsen.

Das Konzept steht auf drei Säulen. Auf der ersten Säule ist der Mehrwert für die Mitarbeitenden aufgebaut. Den Frauen – oft Hausfrauen, Mütter, auch Ausländerinnen, die sich nicht mit dem offiziellen Papierkram herumschlagen können oder wollen – wird der ganze administrative Aufwand abgenommen. Sie brauchen sich keine Sorgen mehr zu machen über Versicherungen, Steuern, Sozialleistungen und vieles mehr. Dank der grossen Anzahl Putzfrauen seien auch sehr individuelle Einsatzorte und –zeiten möglich, erklärt Gsell sein System. Fast jedem Wunsch könne entsprochen werden. Die Förderung von Mitarbeiterinnen mit Einführung und Begleitung zahle sich in einer kleinen Fluktuation aus. «Es zählen auch die Bedürfnisse der Mitarbeitenden», meint der Firmenchef, und fügt an, dass sie überdurchschnittlich und deutlich über dem GAV bezahlen würden.

Natürlich dürfe darunter nicht die Bedürfnis des Kunden leiden. Sein Mehrwert, also die zweite Säule, sei aber auch für ihn offensichtlich. So müsse er sich um keine Bewilligung, keine Versicherung und auch nicht um ein schlechtes Gewissen kümmern. Einmal im Monat bekomme der Auftraggeber eine Rechnung, und selbst wenn eine Putzfrau ausfalle, sei die Agentur für den Ersatz besorgt.

Und als dritte Säule darf der Mehrwert für den Staat nicht vernachlässigt werden. Adrian Gsell rechnet vor: 800 Millionen Franken Schwarzarbeit würde jährlich in der Schweiz geleistet. Davon entfallen 10% auf die Reinigungsbranche, davon wieder 80% auf privater Basis. Das macht nicht weniger als eine Lohnsumme von 60 Millionen Franken, die am Staat, an den Steuern und Sozialwerken – und damit an allen – vorbeigeschleust werden.

 

Neu auch am Obersee
Ärger wegen Schwarzarbeit bekommen, das wollen natürlich gerade die oft gutsituierten Leute am Obersee nicht. Umso mehr dürfte die neue Niederlassung der Putzfrauenagentur Pasche GmbH in Freienbach auf grosse Nachfrage stossen. Petra Pasche betreut das Gebiet vom Etzel zum Riken, vom Seedamm zum Walensee mit kleinem Büro im eigenen Haushalt, um die Kosten klein zu halten. Es seien auch nicht einfach nur Reiche in Steueroasen, die sich eine Putzfrau leisten können. Oftmals seien es ganz gewöhnliche Doppelverdiener, die sich dies leisten müssen. Petra Pasche selber ist über ihren Mann, der im Gastgewerbe arbeitet, und eine Kollegin in die Aufgabe gerutscht. Zuvor war sie im kaufmännischen Bereich, in der Buchhaltung und vor allem auch als Personalfachfrau tätig. Kein Zweifel, die Niederlassungsleiterin geht auf in ihrem neuen, vielseitigen Job mit unvermeidbarer Büroarbeit, vor allem aber mit viel menschlichem Kontakt zu Mitarbeitenden und Kunden. «Gerade beim nichtmonetären Bereich sind wir der Primus in der Branche», ist sie überzeugt. Und die Kombination der Mehrwerte für Mitarbeitende, für Kunden und für den Staat löse eine eigentliche positive Spirale aus. «Ich wünschte mir, die Schweizer Wirtschaft würde vermehrt nach diesem System funktionieren», meinte die junge Unternehmerin.

 

pdf obersee nachrichten 2008 258.67 Kb

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